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Big Zis über Poesie, Philosophie und Politik

[stag_intro]In einem Interview mit Westnetz beantwortet Big Zis alias Franziska Schläpfer die grossen und kleinen Fragen über ihre neue EP, ihre Familie und ihr Engagement. Darin erklärt sie auch, warum sie am 4. Januar am GomS-Konzert gegen die Abschottungs-Initiative auftritt. [/stag_intro]

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Big Zis im Westnetz-Interview

Am 4. Januar trittst du noch an einem Konzert auf, das sich gegen die SVP-Masseneinwanderungsinitiative einsetzt. Warum bist du da dabei? Das sind ein paar Leute, die sich zusammen getan haben, die nennen sich GomS. Und die haben sich zum Ziel gemacht, in den nächsten drei ausländerpolitischen Abstimmungen zu mobilisieren und aufzuklären. Der Abend ist von ihnen organisiert. Diesmal geht es um die SVP-Initiative. Und ich finde es total gut, dass die das machen. Warum? Weil ich natürlich überhaupt kein Interesse daran habe, dass so eine Initiative angenommen wird. Ich finde es extrem wichtig, dass sich so kleine „Kraftzentren“ bilden, das sich Leute zusammentun und mobilisieren. Es ist gut, wenn es einen Ort gibt, wo alles gebündelt wird und nicht einfach nur die extremen Linken sind. Man muss ja nicht auf ewig verheiratet bleiben. Aber einfach mal das Gröbste verhindern. Ich weiss nicht genau, was GomS macht, aber ich glaube, sie versuchen die Leute aufmerksam zu machen, dass gegenwärtig keine gute Tendenz vorherrscht. Und dann diese zeitliche Ballung! Ich meine, zuerst kommt die SVP-Masseneinwanderungsinitiative, dann Ecopop und was kommt dann noch? Die Abstimmungsvorlage zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien. Da bin ich schon sehr froh über die liberalen und wirtschaftlichen Geister, die sich auch gegen SVP & Co engagieren. Überhaupt nicht, weil ich mit denen sympathisiere oder ich mit ihnen einer Meinung bin. Aber stell dir mal vor, es gäbe die nicht, dann wäre unsere Situation prekär! Wie nimmst du denn die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Ausländern wahr? Ich nehme es eher in den Zeitungen und Radios wahr. Ich habe kein Ohr an der Bevölkerung selber, weil ich auch nicht besonders viele junge Leute kenne. Man erfährt mehr über Abstimmungen und dort staunt man dann. Sicher ist, dass viel Angst vorherrscht. Die muss auch nicht vordergründig sein. Vielleicht ist es überhaupt eine Angst – und da kommt wieder das ganze Thema mit dem Geld rein – die auf die „Überfremdung“ projiziert wird. Vielleicht beginnt die Angst eben aus dem Druck heraus, ein einigermassen luxuriöses Leben führen zu müssen. Man sieht es ja auch überall! Die ganzen Bildli und Filmli, da denkt man schnell: Läck, die habens schon schön, so ein Hüsli mit diesem und jenem… Auf jeden Fall führt dieser Druck dazu, dass man sich mit Geld Glück und Zufriedenheit verspricht. Nur ist der Weg dorthin nicht so einfach. Wo siehst du da die Verbindung mit den Ausländern? Ich glaube, die Verbindung ist gar nicht so direkt, sondern liegt viel tiefer. In erster Linie hat es nicht mit dem Ausländern zu tun, der unser Volk „überfremdet“, sondern diese Tendenz entsteht aus einer Existenzangst heraus. Die Angst wird auf die Ausländerfrage projiziert, weil es einfach ist und weil man sagen kann, die stören einfach, die nehmen uns den Platz weg und es macht mir Angst, dass ich vielleicht meinen Job verliere. Es hat mit dem Druck zu tun, dem wir ausgesetzt sind. Weil Geld Sicherheit geben soll. Was bis zu einem gewissen Grad auch stimmt. Aber es ist doch ein völlig falscher Ansatz, dass Geld der Motivator für so vieles ist. Es wäre viel gesünder, wenn man andere Arbeitsmotivatoren mehr hervorhebt. Manchmal kann Angst auch eine gute Triebfeder sein. Aber wenn die Menschen ein bisschen gelassener drauf wären, könnten sie eher darüber nachdenken, anstatt sofort die Hände in die Luft zu werfen und auf diese Abstimmungsparolen hereinzufallen. Die Abstimmung über die SVP-Initiative ist wichtig. Viel verstörender finde ich aber so etwas wie die Ecopop-Initiative, die die Dinge total durcheinandermischt und damit auch viele Leute, die nie für eine SVP-Initiative stimmen würden, an den Haken kriegt. Ich spreche jetzt von den linken Öko-Leuten, die grundsätzlich gegen rechte Politik immun sind. Wenn aber jemand kommt und sagt, es geht uns nicht um politisch links oder rechts, sondern wir haben ganz andere Gründe, und die sind nicht menschenverachtend und fremdenfeindlich, aber schaut mal die Fakten an… Sowas finde ich gefährlich. Sie will ja eine noch stärkere Beschränkung der Zuwanderung als die SVP-Initiative. Kannst du ein Zukunftsszenario malen? Was wäre, wenn die Initiativen durchkommen würden? Ich finde es ganz grundsätzlich problematisch, wenn Fremde nicht mehr in die Schweiz einwandern können! Ich würde ja auch am liebsten überall auf der Welt einwandern können, wenn ich Lust darauf hätte! Die Welt gehört ja niemandem! Was mit den Bilateralen passieren würde, weiss ich nicht. Aber ich nehme an, es hätte eine enorme Abschottung zur Folge und wir würden noch viel mehr in einem Inselstaat leben. Und wir würden die Privilegien, die wir jetzt mit diesen Bilateralen noch geniessen, verlieren. Aber das ist so realpolitisches Zeug. Ich kann mir kein genaues Bild davon machen, was das für uns bedeuten würde. Diese „Überfremdungsinitiativen“ tauchen wahrscheinlich immer wieder auf, beginnend in den 70ern mit der Schwarzenbachinitiative, die die Italiener aus der Schweizer rauswerfen wollte. Ja, ich glaube auch. Ich bin zwar geschichtlich nicht wahnsinnig bewandert, aber ich nehme mal an, dass es schon bei den alten Griechen und schon vorher immer territoriale Ansprüche gab und damit einhergehend eine Angst gegenüber dem Fremden. Und ab dem Zeitpunkt, wo man Grenzen zog, fanden damals schon einige: „Wir brauchen die, das sind billige Arbeitskräfte!“ oder: „Wir wollen auch die Gutausgebildeten, die bringen uns weiter“, während die anderen fanden: „Nein, die nehmen uns den Platz weg!“ (grinst)