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Wachstum ist nicht gleich Wachstum: GomS-Podium vom 12. Mai

[stag_two_third]Am Montag, 12. Mai, wurde im Karl der Grosse heftig über das Thema Wachstum debattiert. Wie viel Wachstum wollen und brauchen wir? Was für Konsequenzen hätte weniger Wachstum für die Schweiz? Und wie hängen Wachstum und Ökologie zusammen? GomS hat in Zusammenarbeit mit der jungen Zeitschrift dieperspektive und Karl der Grosse das Podium zum Thema Wachstum organisiert und lud namhafte Vertreter ein. photo 1 Teilnehmer waren (v.l.n.r.) Peter Niggli, Geschäftsführer von Alliance Sud, Markus Diem Meier, Wirtschaftsjournalist beim Tagesanzeiger,  Hanspeter Guggenbühl, Autor von „Schluss mit dem Wachstumswahn“, Bastien Girod, Nationalrat Grüne, Philipp Bauer vom Schweizerischer Arbeitgeberverband und Cornelia Keller, Vizepräsidentin Ecopop.

Gegner und Befürworter kreuzten die Klingen

Der Moderator Daniel Frei hatte eine grosse Aufgabe vor sich. Wachstum sei ein schwieriger Begriff und das Thema derart komplex. Deshalb wolle er keine Expertenrunde, sondern dem Publikum auch die Chance geben, sich zu diesem Thema zu äussern. So fragte er das Publikum, was es überhaupt unter Wachstum verstehe und wer Wachstumsbefürworter oder Wachstumsgegner sei. ecopop-1024x768 Auch eine Vertreterin der Ecopop-Initiative, Cornelia Keller, war anwesend. Die Ecopop-Initiative geht davon aus, dass mit der Beschränkung der Zuwanderung das Wachstum beschränkt und ökologische Probleme gelöst werden können. Hans-Peter Guggenbühl ist ein starker Wachstumskritiker. Er hat die Bücher „Schluss mit dem Wachstumswahn“ und „Energiewende. Und wie sie gelingen kann“ verfasst und ist Passivmitglied der Ecopop-Intitiative. Doch auch Guggenbühl findet nur gewisse Teile der Initiative sinnvoll. Bezüglich Bevölkerungswachstum führe die Initiative nicht zu einem starken Bevölkerungsrückgang, wie Guggenbühl in einem kürzlich veröffentlichten Text nachrechnet.             bastien-girod-1024x768Für Bastien Girod führt Wachstum in der Schweiz nicht zu mehr Lebensqualität. Ihm zufolge leben wir in einer Macht- und nicht in einer Marktwirtschaft. Der Zugang der Ecopop-Initaitive sei jedoch nicht die Lösung für Wachstumsprobleme. Sie löse auch keine ökologischen Probleme. Im Gegenteil führe die Beschränkung der Zuwanderung  zu noch mehr sozialer Ungerechtigkeit. Die sozial Schwächeren würden leiden, die mit dem kleinsten Fussabdruck, weil mit einer solch starken Beschränkung der Zuwanderung der Saisonnierstatus und das Verbot von Familiennachzug wieder eingeführt würde. Diejenigen mit dem grössten Fussabdruck, die Reichen, werde man hingegen nicht anfassen. Auch Peter Niggli ist gegen die Ecopop-Initiative. In den Drittweltstaaten wüssten die Frauen, wie man ein Kondom benütze. Es gehe um mehr als nur Geburtenkontrolle: Bildung und der Schutz der Frau müsse gefördert werden, damit sich die Frauen emanzipieren könnten. Einfach Kondome an Frauen zu verteilen sei zwecklos. lacher-1024x768 Philipp Bauer vom Arbeitgeberverband hielt fest, Wirtschaftswachstum bedeute auch Innovation. Es sei falsch, das Wirtschaftswachstum herunterfahren, um weniger Migration zu haben. Wenn man die Zuwanderung stoppe, könne man sich u.a. die Sozialwerke nicht mehr leisten. Auch Markus Diem Meier regte sich auf: Gegen oder für Wachstum zu sein, sei zu simplifizierend. Ecopop sei darum  ein totaler Etikettenschwindel. Es war eine interessante und hitzige Diskussion. Jede Person hatte eine andere Vorstellung davon, was Wachstum bedeutet, was eine klare Diskussion erschwerte. Am Schluss der Diskussion mischten sich auch Zuschauer ein, die sich gegen den Konsum von Fleischprodukten stellten. tierprodukte_3-1024x768 Auch eine weitere Person mischte sich ein, ein bärtiger Mann hielt einen Sack Zwiebeln hoch, die er aus einem Container eines Lebensmittelgeschäftes herausgefischt habe. Das sei typisch für unsere Konsumgesellschaft, die alles wegwerfe. Ein Votum aus dem Zuschauerraum stellte hierzu fest: Der Begriff Wachstum dürfe nicht mit dem Verbrauch oder dem Konsum gleichgesetzt werden. GomS wird sich weiterhin mit dem Thema befassen und ist bereits in Vorbereitung einer weiteren Podiumsdiskussion zum Thema Wachstum und Ecopop. [/stag_two_third]